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Tetrapaks müssen raus

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Vernichtung von Waren bei Amazon ist ein strittiges Thema, das seit geraumer Zeit schon mehrmals Schlagzeilen gemacht hat. Als ehemaliger Versandmitarbeiter möchte ich einen Fall schildern, den ich selbst mitbekommen habe und der mich doch sehr stutzig gemacht hat. Ich war im Bereich „Stow“ tätig, also dem Einsortieren neu eingetroffener Ware in die Fächer und Regale unseres Fulfillment Centers (kurz „FC“) in Pforzheim. Hierbei gibt es im ganzen Lagerkomplex sogenannte „Dropzones“ die individuell im Onlinesystem codiert sind und an denen speziell vorgesehene Warentypen auf Paletten oder Carts abgestellt und wieder aufgenommen werden können. An einer dieser Dropzones fiel mir im Laufe meiner Arbeitswoche mit dem „Langläufer“ (ugs. für Flurförderzeug, FFZ oder Elektrostapler, siehe Foto) folgendes Bild auf; eine Palette mit ca. 15 Kartons Weihenstephan H-Milch stand an besagter Dropzone und war als „damage“ gekennzeichnet. Solch beschädigte Ware wird normalerweise direkt im FC zwischengelagert, bis irgendwann die Zeit gekommen ist und diese abgeholt bzw. entsorgt werden kann. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, welche Routinen hier zur Anwendung kamen.

Kurios an der Sache war, dass weder die Milch selbst (abgelaufen) oder die Verpackung in irgendeiner Form beschädigt war. Zudem gesellten sich zur Milch im Laufe der Woche noch weitere Tetrapaks (v.a. Saft) die wohl das gleiche Schicksal teilen sollten. Da ich mir einfach keinen Reim darauf machen konnte, warum die Tetrapaks als „damage“ gekennzeichnet waren und damit also entsorgt werden sollten, habe ich bei einem Kollegen im Bereich „Vendor flex“ nachgefragt. Dort laufen viele der Waren zusammen, die das Lager verlassen sollen, ohne an einen Kunden geliefert zu werden. D.h. Waren die per se aus diversen Gründen nicht mehr Verkauft werden können (dazu gibt es nochmal einen gesonderten Beitrag). Der Kollege erklärte mir, dass es seit Kurzem eine neue Regel gebe, die es verbiete Getränke jeglicher Art in größeren Gebinden zu verschicken. Daher gingen die Waren auf besagter Palette, die völlig intakt waren, in den Müll.

Ich habe weiter recherchiert und offenbar werden diese Art Waren immer noch oder wieder angeboten und auch durch Amazon selbst verschickt. Entweder galt die Regel nur für unser „FC“ (da es auch spezielle FCs gibt, in denen nicht alle Waren zu gleichem Maße verfügbar sind) oder der Kollege hatte mich nicht richtig informiert. Besagte Palette ist jedenfalls in der darauffolgenden Woche im Bereich „Damage“ nicht mehr auffindbar gewesen – weshalb ich davon ausgehe, sie wurde wie auch immer entsorgt. Und da ich bereits ähnliche Fälle mit anderen Lebensmitteln und vor allem Tiernahrung mitbekommen habe, fände ich es eine Schande wenn die Tetrapaks tatsächlich in die Tonne gewandert sind.

Im Gegenzug hierzu gab es einige Monate später eine Aktion mit kurz vor dem Ende der Haltbarkeit stehenden Coca Cola Sixpacks, die nach Dienstschluss kostenlos an die Kollegen verteilt wurden. Es handelte sich dabei um mehrere Paletten mit 6x 0,33 L PET Flaschen in einem Gesamtvolumen von mindestens 1,000 L. Der Betriebsrat hatte sich dafür eingesetzt, die Flaschen an beide Schichten aufzuteilen und soweit ich es damals mitbekommen habe, hat zumindest jeder der mochte auch etwas bekommen.

Wir erleben leider immer noch täglich in den Supermärkten wie massenhaft gute Ware aus den Regalen entsorgt werden muss, aufgrund der untragbaren Regelung in Deutschland, dass Lebensmittel mit abgelaufenem Datum nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Hier wird es Zeit für eine Änderung – nicht nur im Gesetz, sondern auch beim Verbraucher. Wie seht Ihr das?

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