Gemeinsam Rekorde brechen – Amazon Prime Day

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Der Prime Day bei Amazon ist nicht nur für den Kunden ein „Erlebnis“, sondern auch bei denen, die ihn überhaupt erst möglich machen. Amazon fährt hierzu in der Tat große Geschütze auf und bietet den Mitarbeitern in der Woche des Prime Day, ähnlich wie auch zur Weihnachtszeit, einen Gehaltsbonus. Allerdings nur, wer auch komplett anwesend ist im angekündigten Zeitraum. Bei Krankheit oder Ausfällen wird der Bonus gestrichen. Dagegen lässt sich prinzipiell nicht viel sagen, außer dass es evtl. dazu führt auch krank zur Arbeit zu gehen. Damals war das weniger schlimm als heute. In Pandemie-Zeiten kann ein solches Programm fatale Folgen haben.

Nun, was habe ich also erlebt. Es trug sich zu, dass die Bereiche „Pick“ (dort wo Waren für den Kunden kommissioniert werden), „Pack“ (dort wo die Waren verpackt werden) und „Outbound Dock“ (dort wo die Waren in den DHL oder Hermes LKW Container geladen werden) in der Prime Day Phase die absolute Priorität haben. Mein Bereich „Stow“ (wo die Waren in die Regale sortiert werden) war also minimal besetzt und viele Kollegen wurden an die wichtigeren Bereiche ausgeliehen, um das hohe Bestellaufkommen entsprechend gut bearbeiten zu können. Der Prime Day 2019 war am 15. und 16. Juli und ich war regelmäßig am „Dock“ eingeteilt, weil es hierzu – nicht wie bei Pick oder Pack – keiner sonderlichen Einweisung bedurfte. Die Pakete kamen vom Fließband und mussten per Hand in der LKW Container gestapelt werden – easy peasy? Denkste! Ohne System hat man hier verloren (Zeit und v.a. Raum zum füllen) – dies behandle ich aber in einem gesonderten Beitrag.

Nun, Tag ein Tag aus am Dock in der Prime Day Woche hinterließ einen sehr interessanten Eindruck bei mir. Denn am letzten Tag des Prime Day feierte die Belegschaft im Dock einen Rekord. Einen Rekord an abgefertigten Paketen. Beziffern kann ich das Ganze leider nicht mehr, zumal beide Schichten zusammengefasst wurden. Bemerkenswert war jedoch, dass am Vortag ein Teil der Pakete zurückgehalten wurde, damit sie am Folgetag zur Bilanz hinzugerechnet werden konnte. Das hat mir ein Kollege aus dem Dock erklärt. Scheinbar wird das jedes Jahr so gemacht und vermutlich nicht nur in Pforzheim (STR1) sondern wohl überall. Gefeiert wurde das dann mit einem Loblied vom FC Chef, der den Dockmitarbeitern nochmals explizit dankte und mit Prime Day T-Shirts und Amazon Werbegeschenken für alle Mitarbeiter. Grundsätzlich finde ich solche intensiven „Arbeitsphasen“ nicht schlimm – Peaks gibt es in vielen Jobs, die sogar oft deutlich länger anhalten. Ein Problem habe ich jedoch mit der Lobeskultur, sich selbst auf die Schulter zu klopfen für etwas, das man nur mit „Cheaten“ erreicht hat. Allen ist bekannt, wie das Ergebnis zustande kam, geschämt dafür hat man sich aber nicht.

Wie seht Ihr das? Ist das ein Phänomen aus den USA wo alles „bigger and better“ sein muss oder finden wir das heutzutage auch in deutschen Firmen. Mir zumindest ist sowas bis dato noch nicht begegnet.

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