Die Ellenbogen werden ausgefahren

Die Ellenbogen werden ausgefahren

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Wir befinden uns nun schon in der dritten Wochen und grundsätzlich gibt es nicht viel Neues zu berichten – außer der Tatsache, dass es immer wieder zu Spannungen unter den Mitarbeitern kommt. Dies äußert sich in der Form, dass jeder versucht sich zu seinem Vorteil Waren zu beschaffen (auf den Karts oder auf Paletten) um diese dann so schnell wie möglich zu verräumen – denn je höher die Quote, desto besser steht der Mitarbeiter unterm Strich da. Wie ich ja bereits erwähnt habe, sind alles Transaktionen die mit dem Scanner durchgeführt werden für das Management sichtbar, also auch die Einräumquote und die dabei gemachten Fehler. Verräumt man also Waren, die sich verhältnismäßig schnell einräumen lassen (die nicht sperrig sind und für die man schnell einen Platz im Regal findet), lässt sich der Schnitt vorteilhaft anheben.

Die Einlagerung der Waren geschieht nach dem sogenannten FIFO Prinzip und ist eine übliche Art und Weise, ein Lager zu organisieren. Waren, die zuerst eingelagert werden, also als „erste da waren“ (first in), sollen demnach als Erstes verbraucht oder wieder ausgelagert (first out) werden. Dieses Prinzip soll eine Überalterung der Lagerbestände verhindern. Häufig kommt FIFO bei verderblichen Waren zum Einsatz. Es gibt also Mitarbeiter, die trotz dem fest vorgeschriebenen FIFO Prinzip – Karts oder Paletten mit Waren schnappen, die sie zu ihrem Vorteil rasch einsortieren können. Die verbleibenden Artikel sind unter Umständen nicht so vorteilhaft und die anderen Kollegen müssen sich – zu ihrem Nachteil – mit dem Rest begnügen. Dies sorgt regelmäßig für Unmut in der Belegschaft, denn nach ein paar Wochen weiß man in der Regel wie der Hase läuft und jeder versucht dann natürlich – wo er kann – seine Quote zu steigern.

Leere Waren auf den Toiletten bei Amazon

Auffällig war zudem, dass ich auf einer Toilette im Lagerbereich eine leere Chipstüte gefunden habe. Das mag jetzt sehr banal klingen, man muss aber wissen, dass es grundsätzlich nicht gestattet ist Lebensmittel mitzubringen und zu verspeisen. Die Security am Eingangsbereich sorgt dafür, dass das auch eingehalten wird. Die Chipstüte war jedoch kein Einzelfall – in den Gängen zwischen den Regalen findet man regelmäßig Verpackungen von Schokoriegeln oder Bonbons (trotz vorhandener Mülleimer). Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wo diese Dinge herstammen können: i) der Konsument hat sie hineingeschmuggelt, was im Fall von Letztgenanntem relativ einfach ist oder ii) Waren aus dem Lager wurden bewusst geplündert und heimlich verspeist. Dessen bin ich mir noch nicht so ganz schlüssig, denn das Einschmuggeln einer Chipstüte erscheint mir doch recht auffällig. Das Lager ist zudem voll von Süßwaren und Chips, die in Großpackungen untergebracht sind. Ich werde definitv Augen und Ohren offen halten, vielleicht waren es ja auch die Mäuse, die man aufgrund der kalten Jahreszeit nun häufiger in den Hallen antrifft.

Es ist kein Geheimnis, dass wir in einer Leistungs- bzw. Ellenbogengesellschaft leben. Was haltet Ihr im Allgemeinen von solchen Praktiken am Arbeitsplatz? Oftmals nur aus höheren Etagen bekannt, scheint es doch überall so zuzugehen. Wie geht Ihr mit solchen Kollegen um?

Hallo. Ich bin Daniel und berichte hier über meine Erfahrungen als Amazon Versandmitarbeiter, angefangen beim Vorstellungsgespräch bis hin zur den verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten im Amazon FC in Pforzheim. Ich freue mich über jeden Kommentar und beantworte gerne Eure Fragen zu meinem neuen Job.

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