Das erste Performance Audit

Das erste Performance Audit

Lesezeit ca. 2 min

Damit hatte ich nicht gerechnet – ein Leistungs- und Qualitätsaudit bereits in der zweiten Woche. Zugegeben, mich hat es nicht betroffen… noch nicht. Zwei meiner Kollegen, die mit mir begonnen haben, bekamen Besuch von einem Auditor der sogenannten ICQA Unit, also der internen Qualitätssicherung (Inventory Control and Quality Assurance). Regelmäßig werden die „Bins“ (ugs. für Regalfächer), in die wir unsere „Items“ oder „Units“ (ugs. für Artikel) „eingestowed“ (ugs. für eingelagert) haben, von diesen Auditoren überprüft, denn das System zeigt an ob ein Bin fehlerbehaftet ist oder nicht. Ein Fehler besteht z.B. dann, wenn in einem Bin etwas enthalten ist, das dort nicht hineingehört und umgekehrt – im Bin fehlt ein Artikel. Der Auditor räumt dann das ganze Fach aus und überprüft jeden einzelnen Artikel, natürlich auch wer welchen Artikel eingelagert hat und vor allem wann. Jeder Scan-Vorgang hinterlässt eine individuelle Spur im System, die bis auf die Sekunde genau zurückverfolgt werden kann – der Mitarbeiter signiert somit jeden Scan mit seiner digitalen Unterschrift.

Der „Stower“ lagert Waren in die Bins ein – den ganzen Tag lang, verschiedenste Größen, Formen und Gewichte // Foto (c) dpa

Zurück zu meinen zwei Kollegen. Beiden wurde im Prinzip dasselbe über die Zahlen aus der ersten Woche erzählt, freundlich aber bestimmt. Der eine hat 8, der andere 14 Fehler gemacht. Noch nicht tragisch hieß es, die Fehlerquote pro Woche sollte zwischen 1-3 liegen – für den Anfang also gar nicht schlecht. Einem anderem Neuling wurde zudem vom „Lead“ (Schichtleiter) verraten, wie seine gestrige Performance aussah – 50 Artikel pro Stunde wurden eingestowed. Der Durchschnitt liegt angeblich bei 100 Artikeln/Stunde. Was allerdings nicht berücksichtigt wurde bei dieser Leistungsanalyse war die Tatsache, dass vergangenen Samstag eine Wochenendschicht bereits alle vom Freitag liegengebliebenen Waren eingeräumt hatte. Folglich waren am Montag früh kaum Artikel da, die man hätte verräumen können – es herrschte Leerlauf. Obendrein war der Kollege nur halbtags da, somit dürfte die echte Leistung deutlich höher liegen als 50 Artikel pro Stunde.

Ein anderer Kollege kam nicht so glimpflich davon, er hatte ebenfalls Besuch von einem Auditor. Dieser Herr hat mich mit allen Sinnen an den „Yellow Bastard“ aus Sin City erinnert (wer den Film kennt, weiß was ich meine – siehe Beitragsbild). Auch der Ton klang weniger freundlich (aus der Ferne). Ich habe den Kollegen dann in der Pause angesprochen was los war, er meinte nur dass man wohl regelmäßig Besuch von der ICQA bekommt. Ihm wurden seine Fehler gezeigt und ans Herz gelegt darauf zu achten, weniger zu machen. Später erfuhr ich dann von einem anderen Auditor, dass besagter Kollege mit knappen 40 Fehlern pro Woche in der Kreide steht und er bereits 5 Monate im Bereich „Stow“ arbeitet. Eine Kollegin aus der anderen Schicht hätte sogar knappe 100 Fehler. Beide stünden bereits auf der internen roten Liste – also kurz vor dem Abschuss. Normalerweise werden die Mitarbeiter vom Schichtleiter oder Area Manager über deren Leistung informiert, wenn die ICQA direkt auf einen zukommt, dann brennt es bereits. Klingt zunächst nur fair – ohne weitere Details zu kennen.

Wie gesagt, ich war noch nicht an der Reihe. Was haltet Ihr von den Vorgaben und wie sollte mit Mitarbeitern umgegangen werden, die keine oder nur eine schlechte Leistung bringen? Direkte Zahlen dazu fehlen ja in vielen Berufen, wie seht Ihr das? Schreibt mir gerne einen Kommentar.

Hallo. Ich bin Daniel und berichte hier über meine Erfahrungen als Amazon Versandmitarbeiter, angefangen beim Vorstellungsgespräch bis hin zur den verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten im Amazon FC in Pforzheim. Ich freue mich über jeden Kommentar und beantworte gerne Eure Fragen zu meinem neuen Job.

2 Gedanken zu “Das erste Performance Audit

  1. Bei uns wurden MA kurz vor Ablauf ihrer Befristung nicht weiter angestellt – im Gegenzu holte man aber hunderte „New Hires“ ins Haus um Kosten zu sparen. Amazon trickst wo es nur geht… also passt lieber auf.

    • Hallo Ingo,

      Davon habe ich auch schon gelesen. Bisher gab es ein solches Feedback unter den Mitarbeitern in meiner Schicht nicht. Ich halte aber Augen und Ohren offen…

      Grüße,
      Dani

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